Biokunststoffe. Kein Bio. Keine Lösung.

Vanessa Koch — — 4 Minuten

Der Begriff „Bio-Kunststoff“ ist ein Paradoxon, entwickelt in Marketingabteilungen von Unternehmen, die den Zeitgeist erkannt haben. Denn sobald wir das lesen denken wir, dass diese Kunststoffe per se besser und umweltfreundlicher sind als herkömmlicher Kunststoff. Denn das Wort „Bio“ steckt drin. Mit dem wir mittlerweile automatisch verbinden, dass etwas rein natürlich, und gut für uns und die Natur ist. Einige Kunststoffe versprechen sogar, dass sie sich in der Natur vollständig und schnell abbauen lassen.

Biokunststoff ist keine Lösung.
Mittlerweile gibt es fast alles aus Bioplastik: Tüten, Flaschen, Becher. (Foto: Shopify Partners)

Doch sind Biokunststoffe wirklich so umweltfreundlich? Mal schauen, es gibt zwei Varianten: Den biobasierten Biokunststoff und biologisch abbaubare Kunststoffe:

Biobasierte Biokunststoffe.

Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Maisstärke, Cellulose oder Milchsäure hergestellt. Dadurch werden fossile Rohstoffe wie z.B. Erdölvorkommen geschont. Klingt erstmal gut, doch diese Rohstoffe müssen chemisch so verarbeitet werden, dass Polymere entstehen, die jenen gleichen, die aus Erdöl erstellt werden. Es gibt auch Biokunststoffe, die aus pflanzlichen Rohstoffen und aus Mineralöl hergestellt werden (Mischpolymerisate).

Übrigens: Bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden Kunststoffe fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden vermehrt fossile, nicht erneuerbare Ressourcen, wie Erdöl oder Erdgas, als Rohstoffquelle genutzt. Warum? Erdöl war im Überfluss vorhanden und die Ölindustrie erkannte, wie sie so mit Erdöl noch mehr Geld verdienen konnte. Zum anderen wurde gerade die Herstellung von Kunststoffen durch Erdöl mit Subventionen und cleveren Steuermodellen unterstützt.

Seit Anfang der 2000er sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wieder gefragt, weil die Erdölvorkommen endlich sind.

Biologisch abbaubare Biokunststoffe.

Sie können sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen als auch aus fossilen Rohstoffen hergestellt sein. Biologisch abbaubar bedeutet, nach DIN EN 13432, dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Biomasse abgebaut haben muss. 1

Bei derzeitigen abbaubaren Biokunststoffen wird unter anderem vom Umweltbundesamt bemängelt, dass bei der Kompostierung außer Wasser und Kohlendioxid keine kompostwertigen Biosubstanzen übrigbleiben. Für den Hauskompost sind diese Kunststoffe ohnehin nicht geeignet, denn der Hauskompost erfüllt die Abbauvoraussetzungen nicht und der abbaubare Biokunststoff kann nicht abgebaut werden.

Generell stehen das Umweltbundesamt und die Umweltverbände Biokunststoffen sehr kritisch gegenüber. Während die europäischen Verbände der Kunststoffproduzenten (PlasticsEurope) und der Kunststoffverarbeiter (EuPC) Biokunststoffe und vor allem abbaubare Biokunststoffe als großen Beitrag zum Umweltschutz feiern, sieht das Umweltbundesamt diese Materialien als reines Marketinginstrument an. 2

Denn tatsächlich ist bei Biokunststoffen die Ökobilanz und die CO2 Bilanz auch nur geringfügig kleiner, als beim herkömmlichen Kunststoff.

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kommt zu folgendem Ergebnis:

Durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für diese Verpackungen versauern Böden und eutrophieren Gewässer stärker als durch die Herstellung herkömmlicher Kunststoffverpackungen. Zudem entstehen höhere Feinstaubemissionen.

Dazu kommt, dass bisher kaum ein Hersteller an Recycling denkt. Es gibt keinen Konsens unter den Herstellern, der vorsieht, dass die biobasierten Kunststoffe recycelt werden können. Aus ihrer Sicht sind sie alle wiederverwertbar. Leider setzen sich auch Biokunststoffe aus unterschiedlichen Inhaltsstoffen zusammen. Es ist technisch einfach nicht möglich, diese wieder zuverwerten. Am Ende bleibt nur noch die thermische Verwertung, die Müllverbrennung.

Fazit:

Biokunststoffe sind nicht besser als herkömmliche Kunststoffe. Bevor ihr also zu Produkten aus Biokunststoffen greift, verzichtet darauf und informiert euch über wirklich umweltfreundliche Alternativen.


1 – Umweltbundesamt: Biologisch Abbaubare Kunststoffe, August 2009

2 – Biokunststoffe nicht besser