Klamotten aus Plastik. Eine zerfaserte Katastrophe.

Vanessa Koch — — 5 Minuten

Wusstest Du, dass 35% des im Meer ankommenden Mikroplastik aus der Wäsche in unseren Waschmaschinen stammt? Kein Wunder eigentlich, denn viele Klamotten in unseren Schränken und Textilien in unserem Haushalt bestehen aus Mischgewebe oder ganz konsequent zu 100 % aus Kunststoff.

Sag nein zu Kleidung aus Plastik
Sag nein zu Plastik in Deiner Kleidung (Foto: Cleyton Ewerton von Pexels)

Das bedeutet, dass wir jedes Mal, wenn wir unterwegs sind, die Kleidung ausziehen, waschen oder schütteln, kleinste Fasern in die Umwelt abgegeben werden. Aber nicht nur unsere Klamotten geben Mikroplastik ab. Auch unsere Heimtextilien. Wenn wir die Decke aus Fleece oder den tollen praktischen Lappen aus Mikrofaser waschen, lösen sich tausende von kleinen Fasern.

Ein paar Zahlen dazu:

Laut einer Studie der britischen „Plymouth University“ gelangen bei einer durchschnittlichen Wäsche ca. 138.000 Fasern aus Polyester-Baumwoll-Mischgeweben, ca. 496.000 Fasern aus Polyester ins Abwasser. Acryl-Gewebe schlägt alles. Hier sind es sogar ca. 730.000 Fasern pro Wäsche, die ins Abwasser verduften. Diese Fasern, oder besser gesagt Partikel, können von Kläranlagen nicht rausgefiltert werden. Sie sind schlichtweg zu klein und landen schließlich in Flüssen, im Grundwasser und natürlich am Ende in den Meeren.

Eine Idee: Spezielle Waschbeutel, sie sollen verhindern, dass die Fasern ins Abwasser gelangen. Doch wohin mit den Resten? Wie werden die entsorgt? Im Moment gehören diese ganz klar in den Restmüll.

Wie Kleidung unsere Gesundheit beeinflusst.

Kleidungsstücke aus Kunststoff, insbesondere Sportkleidung, steht im Verdacht ungesund zu sein. Denn durch den direkten Hautkontakt können beim Schwitzen chemische Substanzen, die bei der Herstellung entstanden sind, aus den Klamotten herausgelöst und über die Haut in den Körper aufgenommen werden. Viele davon sind Weichmacher, die der Körper als Hormone wahrnimmt. Das macht den Hormonhaushalt verrückt. Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und auch Unfruchtbarkeit können die Folgen sein. Und natürlich sind vor allem die Produkte häufig chemisch belastet, die günstig und in Massenproduktion in jenen Ländern gefertigt werden, in denen es kaum Kontrollen gibt.

Die Marketingabteilungen und die Industrie reagieren prompt: „Lasst uns recycelte Kunststoffe nehmen. Am besten aus dem Meer!“ Kein Witz. Ob diese Kunststoffe giftige Substanzen aus dem Meer mitbringen, wer weiß. Damit die „neuen“ Klamotten stabil sind und halten, müssen zusätzlich neue Rohstoffe beigemischt werden. Klar, weniger Plastik im Meer hört sich klasse an. Aber es ist nur ein Bruchteil, der aus dem Meer gefischt und „recycelt“ wird. Die Wirkung für die Marke ist dafür aber umso größer. Klassisches Greenwashing, die Umwelt hat davon allerdings nicht viel.

Eine Frage bleibt: Was passiert danach, wenn die Kleidung durch ist? Bisher hat kaum ein Unternehmen es geschafft eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bzw. Recyclingsystem aufzubauen. Und selbst wenn, der Teufelskreis dreht sich dann einfach weiter.

Hier mal eine Zusammenstellung der Kunststoffe, die in einem durchschnittlichen Kleiderschrank hängen:

T-Shirts und Pullover:

Elasthan und Lycra (EL): machen Stoffe besonders dehnbar und sorgen dafür, dass Dein Pulli eng anliegt.

Dickere Pullover:

Polyacrylnitril (PAN), Polyamid (PA) oder Polyester (PES).

Strickwaren:

Nylon (PES) und Acryl (PAN), um zu verhindern, dass die Wolle Knötchen bekommt. 100% Polyester (PES), Viskose (CV) wenn die Strickware für Empfindliche, Pflegemuffel und Veganer sein soll.

Kleider und Röcke:

Vor allem bei leichten Sommerkleidern, die fließend fallen oder dehnbaren Stücken kommen Elasthan und andere flexible Kunstfasern wie Viskose (CV), Lyocell (CLY), Polyester (PES) oder Cupro (CUP) zum Einsatz.

Jeans:

Auch die gute alte Jeans besteht nicht mehr nur aus Baumwolle. Für die Körperbetonung wird Elasthan (EL) und Polyester (PES) beigemischt.

Sport- und Badekleidung:

Diese Klamotten müssen besonders fit sein: Badehose, Bikini, Sportsbra, Leggings, Yogapants bestehen daher meistens aus Polyamid (PA) und Elasthan (EL).

Unterwäsche:

BHs und Höschen müssen formstabil bleiben und einfach zu pflegen sein. Ohne Elasthan oder Lycra (EL) geht da kaum was. Polyamid (PA) und Lyocell (CLY) kommen auch zum Einsatz.

Socken:

Auch sie sollen schnell trocknen und formstabil bleiben und dürfen am Fuß nicht verrutschen. Deswegen gibt es diverse Mischgewebe mit TENCEL/Lyocell, Elasthan, Lycra, Polyester, Polyamid oder Acryl.

Übrigens: Nur Lyocell, das in der EU hergestellt wird, ist Viskose aus Holz oder Bambus ohne jegliche Chemie. Bambus ist auch Viskose und somit eine chemische Faser. Es kommt sehr viel Chemie zum Einsatz, bis Bambus so weich ist wie Baumwolle.

Jacken:

In Jacken finden sich die meisten Kunstfasern. Für Mikrofasern, die besonders dünn sind, kommt gleich eine ganze Reihe an synthetischen Materialien zum Zug: Polyamid (PA), Polyacryl (PAN) und Polyester (PES). Soll es wasserdicht sein wird mit Polyacryl beschichtet oder mit mikroporösen Membranen aus Polyurethanen oder Copolymeren gearbeitet. Auch das Innenfutter besteht oft aus einem Kunststoff-Mix, vor allem Viskose (CV), Zelluloseacetat und Nylon (PES).

Fleece, Webpelze und Kunstfelle:

Hier ist die Mikrofaser zuhause. Quasi das El Dorado der Kunststoffe, Plastik wohin man schaut.

Fazit:

Auch hier gibt es nur eine Lösung. Und die ist kurz und schmerzlos. Verzichtet auf Kleidungsstücke aus Kunststoff oder mit Kunststoffanteilen. Kauft weniger und dafür bewusst aus natürlichen Materialien.